Xenophobie: Wenn Angst zu Gewalt wird

AFRIKA

Jonas Ndombasi Bidiamba

5/1/2026

Was aktuell passiert

In Südafrika eskaliert seit einiger Zeit erneut ein Konflikt, der lange unter der Oberfläche brodelte: Gewalt gegen afrikanische Migranten. Gruppen wie Operation Dudula mobilisieren gezielt gegen Menschen aus anderen afrikanischen Ländern, darunter Simbabwe, Mosambik, Nigeria, DR Kongo oder Kamerun.

Unter dem Vorwand, „Arbeitsplätze zurückzuholen“ oder „Kriminalität zu bekämpfen“, kommt es zu Angriffen auf Geschäfte, Wohnungen und Menschen. Migranten werden bedroht, vertrieben oder sogar getötet. Besonders betroffen sind wirtschaftlich schwache Stadtteile, sogenannte Townships, wo Konkurrenz um Jobs, Wohnraum und Ressourcen am stärksten spürbar ist. 
Was diese Entwicklung so brisant macht: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein wiederkehrendes Muster. Die Gewalt wird teilweise öffentlich gerechtfertigt und politisch instrumentalisiert: Eine gefährliche Mischung.

Was bedeutet Xenophobie?

Der Begriff Xenophobie beschreibt die Angst oder Ablehnung gegenüber „Fremden“ oder Menschen, die als nicht zur eigenen Gruppe gehörig wahrgenommen werden. Es geht dabei nicht nur um offene Gewalt. Xenophobie zeigt sich auch subtil:

  • in Vorurteilen („Die nehmen uns alles weg“)

  • in Diskriminierung im Alltag

  • in politischer Hetze gegen bestimmte Gruppen

In Südafrika richtet sich diese Ablehnung paradoxerweise oft gegen andere Afrikaner, also gegen Menschen, die kulturell, historisch und geografisch eigentlich nahestehen.

Quellen

(Stand: 28.04.2026).

(Stand: 07.2017).

Autor

Gründer von LuX Mwinda

Jonas Ndombasi Bidiamba

Bild: Reuters

Die Geschichte hinter der Gewalt

  1. Das Erbe der Apartheid

Bis 1992 war Südafrika durch das rassistische System der Apartheid geprägt. Die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung wurde systematisch benachteiligt: wirtschaftlich, sozial und politisch. Mit dem Ende der Apartheid kam die Hoffnung auf Gleichheit. Doch viele strukturelle Probleme blieben:

  • extreme Ungleichheit

  • hohe Arbeitslosigkeit

  • fehlender Zugang zu Bildung und Ressourcen

  1. Migration nach Südafrika

Südafrika gilt als eine der wirtschaftlich stärksten Nationen Afrikas. Deshalb zieht das Land viele Menschen aus Nachbarstaaten an, die vor Armut, Konflikten oder politischer Instabilität fliehen. Diese Migration ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber sie trifft auf eine Gesellschaft, die selbst mit massiven sozialen Problemen kämpft.

  1. Die Eskalation von 2008

Ein Wendepunkt war das Jahr 2008: Damals kam es zu landesweiten xenophoben Ausschreitungen. Über 60 Menschen wurden getötet, Tausende vertrieben.Diese Ereignisse zeigen: Die aktuelle Situation ist kein neues Phänomen, sondern Teil eines wiederkehrenden Zyklus.

Warum richtet sich die Wut gegen andere Afrikaner?

Die zentrale Frage ist: Warum greifen Menschen, die selbst Diskriminierung erlebt haben, andere Afrikaner an? Die Antwort ist komplex:

  • Ökonomischer Druck: Wenn Jobs knapp sind, entsteht Konkurrenz. Migranten werden als „billigere Arbeitskräfte“ wahrgenommen.

  • Politische Ablenkung: Statt strukturelle Probleme zu lösen, wird die Schuld auf „die Fremden“ geschoben.

  • Identitätskrise: Nach der Apartheid sucht das Land noch immer nach einer klaren nationalen Identität.

  • Fehlende Integration: Es gibt kaum funktionierende Systeme, um Migration sozial und wirtschaftlich zu integrieren.

Kurz gesagt: Es ist weniger „Hass aus dem Nichts“, sondern ein Ventil für Frustration, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit.

Warum das auch junge Menschen in Deutschland betrifft

Warum betrifft das auch junge Menschen in Deutschland? Die Antwort ist klar: sehr direkt. In einer vielfältigen Gesellschaft wie Deutschland wachsen viele junge Menschen mit afrikanischen Wurzeln oder eigener Migrationsgeschichte auf. Fragen von Zugehörigkeit, Identität und Diskriminierung sind Teil ihres Alltags. Wenn auch in anderen Ausprägungen als in Südafrika. Genau deshalb lohnt sich der Blick dorthin: Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie schnell gesellschaftliche Spannungen eskalieren können, wenn wirtschaftliche Ungleichheit zunimmt, politische Narrative gezielt spalten und Menschen gegeneinander ausgespielt werden.

Xenophobie ist kein isoliertes, regionales Problem, sondern ein globales Muster. Südafrika macht diese Dynamik lediglich besonders sichtbar. Entscheidend ist daher nicht nur zu fragen, warum diese Gewalt dort entsteht, sondern auch, wie ähnliche Entwicklungen anderswo verhindert werden können. Das erfordert politische Verantwortung, die Bereitschaft, einfache Schuldzuweisungen kritisch zu hinterfragen, und vor allem ein Denken in Solidarität – über Herkunft, Kultur und Nationalität hinaus. Denn letztlich geht es nicht um einen Konflikt zwischen „Einheimischen“ und „Fremden“, sondern um die Folgen von Systemen, die soziale Unsicherheit in gegenseitige Feindbilder übersetzen.