Warum der neue Michael Jackson Film zum scheitern verurteilt ist

Ein Biopic über Michael Jackson bringt eigentlich alle Voraussetzungen für einen großen Kinoerfolg mit. Kaum ein Künstler hat die Popkultur so nachhaltig geprägt: ikonische Songs, revolutionäre Musikvideos, legendäre Live-Auftritte und ein globaler Einfluss, der bis heute spürbar ist. Ein solcher Stoff verspricht Emotion, Drama und große Bilder. Doch genau dieses Potenzial macht das Projekt zugleich extrem riskant. Denn im Fall von Michael Jackson ist die öffentliche Wahrnehmung so widersprüchlich wie kaum bei einer anderen Künstlerfigur.

GESELLSCHAFT

Kommentar: Jonas Ndombasi Bidiamba

5/2/2026

Ein Biopic, das eigentlich unschlagbar sein müsste

Ein Film über Michael Jackson bringt auf den ersten Blick alles mit, was ein erfolgreiches Biopic braucht: eine beispiellose Karriere, ikonische Musik, visuell spektakuläre Auftritte und eine Lebensgeschichte voller Höhen und Tiefen.

Kaum ein Künstler hat die globale Popkultur so nachhaltig geprägt. Von „Thriller“ bis „Billie Jean“, von Moonwalk bis Musikvideo-Revolution – Michael Jackson steht wie kaum ein anderer für die Verschmelzung von Musik, Performance und Massenkultur. Unter normalen Umständen wäre ein solcher Stoff ein Selbstläufer. Doch genau hier beginnt das Problem: Dieser Film ist kein gewöhnliches Biopic. Er erzählt nicht nur die Geschichte eines Künstlers, sondern bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Bewunderung, Kritik und gesellschaftlicher Debatte.

Das narrative Dilemma: Eine Geschichte ohne sicheren Weg

Ein klassisches Biopic folgt meist klaren dramaturgischen Strukturen: Aufstieg, Konflikt, Krise und Auflösung. Doch bei diesem Film funktioniert dieses Modell nur eingeschränkt.

Warum?

Weil jede mögliche Erzählrichtung sofort bewertet wird:

  • Wird Jackson als tragisches Genie dargestellt, wirkt es wie eine Verharmlosung

  • Wird er kritisch beleuchtet, entsteht schnell der Vorwurf der Verzerrung

  • Wird versucht, beide Seiten abzubilden, wirkt die Geschichte oft zerrissen

Das führt zu einem strukturellen Problem: Der Film kann sich nicht frei entfalten, sondern bewegt sich ständig in einem Spannungsfeld aus Erwartungen und möglichen Reaktionen. Er erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern verteidigt sie permanent.

Erwartungshaltung: Zwischen Denkmal und Demontage

Die Erwartungshaltung an den Film ist außergewöhnlich hoch und gleichzeitig widersprüchlich. Ein Teil des Publikums erwartet eine emotionale Hommage, die das künstlerische Vermächtnis in den Mittelpunkt stellt. Ein anderer Teil fordert eine kritische, vielleicht sogar investigative Auseinandersetzung mit den dunkleren Kapiteln seines Lebens.

Das Problem: Beide Erwartungen sind kaum miteinander vereinbar.

Ein Film, der versucht, beides zu leisten, läuft Gefahr, keinem Anspruch gerecht zu werden. Er kann dann weder als würdige Hommage noch als ernsthafte Aufarbeitung überzeugen.Genau dieser Spagat ist im Film deutlich spürbar.

Die Stärken: Schauspiel, Energie und Authentizität

Trotz aller strukturellen Schwierigkeiten besitzt der Film unbestreitbare Stärken. Besonders herausragend ist die Leistung von Jaafar Jackson. Seine Darstellung wirkt in vielen Momenten erstaunlich nah am Original. Bewegungen, Gestik und vor allem die Bühnenpräsenz transportieren ein Gefühl von Authentizität, das für einen Film dieser Art entscheidend ist.
Er schafft es, nicht nur eine Rolle zu spielen, sondern eine Ikone physisch erlebbar zu machen.

Auch Colman Domingo überzeugt mit einer starken Performance. Er bringt emotionale Tiefe in die Geschichte und sorgt für wichtige narrative Ankerpunkte. Seine Szenen wirken oft fokussierter und klarer strukturiert als andere Teile des Films.

Weitere positive Aspekte sind:

  • Die musikalische Inszenierung: Die Songs entfalten eine enorme Wirkung und erinnern daran, warum Jacksons Werk bis heute relevant ist

  • Visuelle Qualität: Konzertsequenzen und Bühnenbilder sind aufwendig produziert und teilweise beeindruckend umgesetzt

  • Atmosphärische Dichte: In bestimmten Momenten gelingt es dem Film, die Magie einer ganzen Ära einzufangen

Diese Elemente zeigen, dass das kreative Fundament des Films durchaus stark ist.

Autor

Gründer von LuX Mwinda

Jonas Ndombasi Bidiamba

Die Schwächen: Unsicherheit als zentrales Problem

Genau diese Stärken werden jedoch durch grundlegende Schwächen relativiert. Der Film wirkt über weite Strecken unsicher in seiner eigenen Haltung, und genau diese Unsicherheit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Erzählung.

Besonders deutlich wird das in der tonalen Gestaltung. Der Film schwankt immer wieder zwischen Bewunderung und kritischer Distanz, ohne diese Übergänge sauber auszuarbeiten. In einem Moment wird Michael Jackson fast ehrfürchtig inszeniert, im nächsten versucht der Film, eine nüchternere Perspektive einzunehmen. Diese Wechsel wirken jedoch nicht organisch, sondern eher abrupt, wodurch der Erzählfluss spürbar leidet.

Hinzu kommt eine selektive Darstellung zentraler Themen. Kritische Aspekte seiner Biografie werden zwar teilweise angeschnitten, aber selten mit der nötigen Tiefe behandelt. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass der Film schwierigen Fragen ausweicht oder sie zumindest nicht konsequent zu Ende denkt. Für ein Publikum, das gerade hier Klarheit oder Einordnung erwartet, wirkt das unbefriedigend.

Auch dramaturgisch zeigt sich diese Unsicherheit. Anstatt einer klaren, durchgehenden Linie entsteht oft ein fragmentiertes Gesamtbild. Der Film reiht Episoden aneinander, die für sich genommen funktionieren können, aber nicht immer zu einer kohärenten Gesamtgeschichte verschmelzen. Dadurch fehlt es an emotionaler Kontinuität und erzählerischem Fokus.

Genau darin liegt letztlich das Kernproblem: Der Film scheint sich nicht eindeutig entscheiden zu können, was er eigentlich sein will. Möchte er die Karriere feiern, die Person analysieren oder die Kontroversen einordnen? Diese Unentschlossenheit verhindert, dass sich eine klare Perspektive entwickelt und schwächt damit die Wirkung des gesamten Films.

Beobachtung, Deutung und die Symbolfigur Michael Jackson

Der Film steht unter besonderer Beobachtung, weil er nicht nur als Unterhaltung wahrgenommen wird, sondern als gesellschaftliches Statement. Jede Szene wird interpretiert, jede Entscheidung hinterfragt. Es geht nicht nur darum, was gezeigt wird, sondern auch darum, welche Haltung der Film einnimmt und welche Themen er möglicherweise ausklammert.

Das hängt direkt mit der Rolle von Michael Jackson zusammen. Er ist längst mehr als ein Musiker und zu einer Symbolfigur geworden, an der sich größere gesellschaftliche Fragen bündeln. Genau das macht es so schwierig, seine Geschichte klar und eindeutig zu erzählen, ohne automatisch Stellung zu beziehen.

Der Film bewegt sich dadurch in einem Spannungsfeld, das sich kaum auflösen lässt, und genau darin liegt seine größte Herausforderung.

Gleichzeitig ist bereits ein zweiter Teil geplant, der 2026 abgedreht werden soll und voraussichtlich 2028 veröffentlicht wird.

Michael JACKSON: Zwischen Legende und Tragödie