Macron wirbt für eine neue Partnerschaft zwischen Frankreich und Afrika

Mit dem Gipfel „Africa Forward“ in Nairobi hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versucht, seiner Afrika-Politik kurz vor dem Ende seiner Amtszeit eine neue Richtung zu geben.

AFRIKAGEOPOLITK

Jonas Ndombasi Bidiamba

5/18/20265 min read

Ein symbolträchtiger Gipfel in Nairobi

Gemeinsam mit Kenias Präsident William Ruto präsentierte er Frankreich als strategischen Partner eines aufstrebenden Kontinents: wirtschaftlich, geopolitisch und diplomatisch. Der zweitägige Gipfel in der kenianischen Hauptstadt sollte dabei weit mehr sein als ein klassisches diplomatisches Treffen: Er war ein Signal für einen politischen Neustart zwischen Europa und Afrika.

Die Artikel 87 bis 90 sehen vor, dass der Präsident bei einem „schwerwiegenden Funktionsausfall“ der Staatsinstitutionen den Prozess zur Verfassungsänderung initiieren kann. Ein Vorgehen, das von der aktuellen Verfassung, Artikel 220, eigentlich ausgeschlossen ist.
Erstmals wurde ein großes Afrika-Frankreich-Forum in einem stark anglophonen Land organisiert. Jahrzehntelang hatte sich Frankreich außenpolitisch vor allem auf seine ehemaligen Kolonien in West- und Zentralafrika konzentriert. Doch der schwindende Einfluss in in Afrika zwingt Paris zum Umdenken.

In Mali, Burkina Faso und Niger wurden französische Truppen in den vergangenen Jahren nach Militärputschen zum Abzug gezwungen. Anti-französische Stimmungen nahmen zu, während Russland, China, die Türkei und die Golfstaaten ihren Einfluss auf dem Kontinent massiv ausbauten.
Macron wollte in Nairobi deshalb ein neues Kapitel eröffnen. Statt Afrika weiterhin durch die Brille der „Françafrique“ zu betrachten, betonte er mehrfach, man wolle den Kontinent „als Ganzes“ sehen. Frankreich habe Afrika nie als „Vorhof“ betrachtet, erklärte der Präsident und versuchte damit, den Eindruck eines geopolitischen Rückzugs aus Westafrika zu entkräften.

Macron verteidigt seine Afrika-Bilanz

Fast zehn Jahre nach seiner berühmten Rede an der Universität von Ouagadougou nutzte Macron den Gipfel auch, um seine eigene Bilanz zu verteidigen. Seit seinem Amtsantritt 2017 hatte er angekündigt, die Beziehungen zwischen Frankreich und Afrika „neu zu gründen“. Doch seine Präsidentschaft wurde von Krisen, militärischen Rückschlägen und diplomatischen Spannungen begleitet.

Besonders das Thema Mali blieb heikel. Auf einer Pressekonferenz erklärte Macron nüchtern:

„Es gibt einen Staatsstreich in Mali, ihr wollt Frankreich nicht mehr, weil ihr nicht mehr gegen Terrorismus kämpfen wollt? Dann gehen wir. No offense.“

Mit dieser Aussage versuchte er, den französischen Rückzug als Respekt vor der staatlichen Souveränität afrikanischer Länder darzustellen. Kritiker sehen darin allerdings eher das Eingeständnis eines geopolitischen Scheiterns.

Frankreich sucht neue strategische Partner

Der Gipfel machte deutlich, wohin sich Frankreich künftig orientieren will:
zu wirtschaftlich starken und politisch stabileren Staaten wie Kenia, Südafrika oder Nigeria.

Gerade Kenia gilt für Paris als attraktiver Partner:

  1. wirtschaftliches Wachstum

  2. starke regionale Bedeutung in Ostafrika

  3. vergleichsweise stabile politische Institutionen

  4. keine direkte koloniale Vergangenheit mit Frankreich.

Für Macron bietet diese neue Ausrichtung die Chance, Kooperationen unbelasteter aufzubauen als in Teilen Westafrikas.

Auch William Ruto hatte großes Interesse am Gipfel. Der kenianische Präsident sucht internationale Anerkennung und will Kenia als zentrale afrikanische Macht positionieren. Innenpolitisch steht er unter Druck: hohe Lebenshaltungskosten, Jugendarbeitslosigkeit und Korruptionsvorwürfe belasten seine Regierung. Internationale Partnerschaften mit Europa sollen deshalb auch wirtschaftliche Stabilität und politisches Prestige bringen.

Autor

Gründer von LuX Mwinda

Jonas Ndombasi Bidiamba

Ein Wirtschaftsforum mit Milliardenversprechen

Im Mittelpunkt von „Africa Forward“ standen vor allem Wirtschaft und Investitionen. Über 1.500 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Afrika und Frankreich nahmen teil. Damit unterschied sich der Gipfel deutlich von früheren Afrika-Frankreich-Treffen, die oft von sicherheitspolitischen Themen dominiert wurden.

Macron kündigte Investitionszusagen in Höhe von insgesamt 23 Milliarden Euro an:

  1. 14 Milliarden Euro aus Frankreich – öffentlich und privat,

  2. 9 Milliarden Euro von afrikanischen Unternehmen.

Besonders hervorgehoben wurden Investitionen in:

  1. Infrastruktur

  2. erneuerbare Energien

  3. digitale Wirtschaft

  4. Gesundheitswesen

  5. Bildung

  6. sowie Klimaschutzprojekte

Die französische Entwicklungsinstitution Proparco stellte allein Finanzierungsvereinbarungen von rund 500 Millionen Euro vor.
Macron und Ruto betonten dabei übereinstimmend, Afrika brauche weniger klassische Entwicklungshilfe und stattdessen mehr private Investitionen. Macron formulierte es ungewöhnlich offen:

„Das passt gut, denn ehrlich gesagt haben auch wir nicht mehr vollständig die Mittel dafür.“

Tatsächlich sind die Entwicklungshilfeleistungen der OECD-Staaten zuletzt deutlich zurückgegangen. Auch Frankreich hat seine Budgets gekürzt.

Der französische Präsident Emmanuel Macron schüttelt dem kenianischen Präsidenten William Ruto bei dessen Ankunft im Rahmen seines Staatsbesuchs im State House in Nairobi, Kenia, am 10. Mai 2026 die Hand. REUTERS/Thomas Mukoya

Der französische Präsident Emmanuel Macron während des „Africa Forward“-Gipfels in Nairobi, Kenia, am 12. Mai 2026. Bild: Monicah Mwangi/Reuters

Quellen

(Stand: 13.05.2026).

(Stand: 11.05.2026).

Kampf um Einfluss gegen China und Russland

Der Gipfel war auch Teil eines größeren geopolitischen Wettbewerbs. China ist inzwischen wichtigster Handelspartner vieler afrikanischer Staaten. In Kenia haben chinesische Unternehmen Autobahnen, Häfen, Flughäfen und Eisenbahnlinien gebaut. Gleichzeitig wächst die Sorge über hohe Verschuldung gegenüber chinesischen Banken.

Auch Russland baut seinen Einfluss aus – insbesondere über militärische Kooperationen in der Sahelzone. Frankreich versucht daher, sich als europäische Alternative zu positionieren:

  • mit Investitionen statt Militärinterventionen

  • mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit statt paternalistischer Politik

  • und mit dem Versprechen einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“

Macron sprach in Nairobi von einem „gemeinsamen Schicksal“ Europas und Afrikas. Gemeinsam müsse man sich gegen die „Raubmächte des 21. Jahrhunderts“ behaupten.

Forderung nach Reform der Weltfinanzordnung

Ein weiterer Schwerpunkt des Gipfels war die Reform der internationalen Finanzarchitektur. Ruto kritisierte offen die Benachteiligung afrikanischer Staaten durch westliche Ratingagenturen und internationale Finanzinstitutionen. Afrikanische Länder würden trotz wirtschaftlicher Fortschritte oft als Hochrisikoregion bewertet, was Kredite verteuere und Investitionen erschwere.

Macron unterstützte diese Forderungen überraschend deutlich:

  1. Reform der Kreditratings

  2. stärkere afrikanische Vertretung in Weltbank und IWF

  3. Unterstützung für afrikanische Investitionsversicherungen

  4. sowie ein ständiger Sitz Afrikas im UN-Sicherheitsrat

Frankreich kündigte an, die African Trade & Investment Development Insurance (ATIDI) finanziell zu stärken. Ziel ist es, Investitionsrisiken auf dem Kontinent besser abzusichern.

Zwischen Neuanfang und offenen Fragen

Trotz aller Ankündigungen bleibt offen, wie nachhaltig Macrons Afrika-Neuausrichtung tatsächlich sein wird. Viele afrikanische Beobachter sehen in der neuen Strategie auch den Versuch, Frankreichs schwindenden Einfluss zu kompensieren. Zudem endet Macrons Amtszeit bereits in weniger als einem Jahr. Ob sein Nachfolger die eingeschlagene Linie fortsetzen wird, ist unklar.
Der Gipfel in Nairobi hat jedoch gezeigt:
Frankreich will Afrika künftig weniger militärisch und deutlich stärker wirtschaftlich begegnen. Statt alter kolonialer Bindungen sollen Investitionen, Technologie, Energiepartnerschaften und gemeinsame geopolitische Interessen die neue Grundlage bilden.
Ob daraus tatsächlich eine „erneuerte Partnerschaft“ entsteht oder nur ein strategisches Rebranding französischer Afrika-Politik, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron mit afrikanischen Staats- und Regierungschefs in Nairobi. Bild: Luis Tato/AFP/Getty Images

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa und der französische Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch in Südafrika. Bild: Ludovic Marin, AFP

Nairobi, am 12. Mai 2026, gemeinsam mit anderen Präsidenten des Staates
Bild: Photo by Luis TATO / AFP via Getty Images